Warum ich (k)ein Fan von Hundefreilaufflächen bin


Viele Menschen (und Hunde) freuen sich, eine ausgewiesene Hundefreilauffläche gefunden zu haben, die ggf. sogar eingezäunt ist.  Was es dabei zu beachten gilt und wie ein Besuch dieser Flächen gestaltet werden sollte, erklären wir in diesem Artikel.

Wir kommen gerade von ein paar Tagen Urlaub in Zandvoort, Holland. Eher ein Zufallstreffer, doch direkt am ersten Tag durften wir ein großes, als Hundefreilauffläche ausgewiesenes Gebiet in den Dünen entdecken. Kurz und knapp: Es war toll!

Man konnte wirklich stundenlang darin herumwandern, ganz viele unterschiedliche Wege und Pfade gehen und dabei andere Menschen und Hunde treffen, oder auch nicht. Jeder (dem wir begegnet sind) war respektvoll, ließ seinen Hund Fuß gehen. Selbst wenn unsere beiden ohne Leine neben uns liefen, kam kein Hund einfach zu uns angeschossen oder donnert in uns rein. Wurde ein Hund angeleint, war es völlig selbstverständlich, dass dieser im angeleinten Zustand keine Fremdkontakte knüpft (warum dem so sein sollte, können wir in den Kommentaren diskutieren oder wenn großer Bedarf ist, entsteht dazu ggf. noch mal ein eigener Artikel).

Meine anfängliche Angst, dass in diesem Hundefreilaufgebiet Anarchie herrscht und jeder (Hund) einfach tut und lässt, was er möchte ohne Rücksicht auf andere (Verluste) hat sich schnell zerstreut und es gab auch einfach so viele Wege und Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen, sodass alle völlig entspannt sein konnten.

Das krasse Gegenteil durften wir dann ebenfalls kurz darauf kennenlernen. Auf einem Hundefest wurde eine Freilauffläche abgesteckt. Natürlich freuten sich auch hier Mensch (und vielleicht auch mancher Hund), dass hier ein Laufen ohne Leine ermöglicht wurde. Was hier allerdings teilweise zu sehen war, was natürlich nicht für alle gilt, war aber doch größtenteils erschreckend. Hunde wurden einfach sich selbst überlassen. Das kleine Windspiel minutenlang von 2 weiteren Hunden über den Platz gescheucht. Frauchen stand am Rand und freute sich, dass sie "so schön spielt". Ihr Hund wollte zunächst schon gar nicht rein, aber als man sie darauf ansprach, kam ein Kommentar frei nach "Ach, sie braucht immer ein bisschen, bis sie warm wird."

Hm, aha, warm werden... Ich schätze, wenn Hundi schlau ist, wehrt er sich nächstes Mal noch etwas heftiger gegen den Besuch solcher Flächen oder fängt an, andere Hunde generell doof zu finden.

Es gab aber auch die Kehrseite zu beobachten. 2 bis 3 Hunde auf dieser Fläche waren, ich würde es mal als "initiierende Mobber" bezeichnen. D.h. diese Hunde machten ein "Opfer" ausfindig, andere stiegen dann mit ein. Versteht mich nicht falsch, es gab weder große Verletzungen noch schwere Raufereien. Aber die große Frage ist doch, was macht es mit dem Hund? Er lernt, Signale von anderen Hunde zu übergehen, ein ruhiges "Nein" oder eine einfache Abweisung von anderen nicht akzeptieren zu können.

Ein Hund der regelmäßig solchen Situationen ausgesetzt wird, ein solches Verhalten zu zeigen, büßt ganz ordentlich an Sozialverhalten ein. Mal ganz abgesehen davon, dass er sowieso, aber das gilt auch für die "Opferhunde", lernt, dass der Mensch in solchen Situationen quasi nicht existent ist bzw. zumindest mal nicht beachtet werden muss. Wie können und wollen wir von unseren Hunden tagtäglich in allen möglichen Alltags-, Trainings- und Konfliktsituationen verlangen, sich an uns zu orientieren, wenn wir sie in Situationen bringen, in denen wir sie völlig alleine stehen lassen?

Na klar, es gibt auch viele Hunde, die auch auf dieser Freilauffläche alles super weggesteckt haben, die fröhlich und sozialkompetent einfach ein paar neue Hundefreundschaften schließen konnten und dann wieder zu Herrchen trotteten und sich streicheln ließen.

Mein persönlicher Supergau auf dieser Freilauffläche war eine Dame, die ihren Hund anleinte. Mit Sicherheit aus der besten Absicht heraus dem Hund bei ca. 30°C eine kurze Pause zu gönnen. Statt dann aber die Wiese zu verlassen oder zumindest an den Rand zu gehen, musste direkt beim aktuellen Gesprächspartner stehen geblieben werden, während Hundi an der Leine permanent von anderen Hunden weiter "belästigt" wurde. Nun sollte man meinen, Frauchen unterstützt ihren Hund und "entfernt" die anderen Hunde, da sie ihren eigenen Hund ja durch die Leine sogar am Weggehen hindert. Nein, das eigene Hundi bekommt natürlich noch Mecker, da es an der Leine zieht. Was soll der Hund denn tun aus Sicht des Menschen? Einfach alles und jeden und jede Situation einfach über sich ergehen lassen? Keine eigenen Bedürfnisse, wie Ruhe oder Distanz mehr haben?

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, war ich mit meinen Hunden nicht innerhalb dieser Freilauffläche. Zum Einen brauchen sie das einfach nicht, wir haben ausreichend gute und ausgewählte Sozialkontakt zu entsprechenden anderen Hunden, sodass ich ihnen hier nichts und vor allem niemand aufzwingen möchte. Zum Anderen ist es mir zu anstrengend, mich mit den vielen uneinsichtigen Menschen, die die hündische Körpersprache evtl. einfach nicht richtig lesen können oder auch einfach (noch) andere Ansichten nach dem Motto "die klären das unter sich" o.Ä. vertreten, auseinander setzen zu müssen.

Nicht immer geschieht so etwas nämlich in böser Absicht, die überwiegende Mehrheit meint es ja tatsächlich gut, dass Fiffi mal spielen darf. Oder das Bello endlich mal die Chance hat ohne Leine zu laufen, da er ja sonst nicht ableinbar ist. Aber dann muss ich doch bitte wissen, wann es meinem Hund gut geht und wann nicht. Ein kleines ca. 4,5 Monate altes Mischlingsmädchen versuchte verzweifelt sich vor den anderen Hunden hinter Herrchens Beinen zu verstecken. Herrchen registrierte dies leider nicht bzw. unternahm keine Anstalten, die anderen Hunde von seinem Welpi fernzuhalten, also suchte sie weiter und verkroch sich in einer Ecke des Auslaufs unter einer Abdeckung. Die anderen natürlich hinterher und so gab es Bedenken, dass die Hunde hinter der Abdeckung doch durch den Zaun schlüpfen. Also wurden sie raussortiert und Herrchen stellte sich so davor, dass Welpi auf keinen Fall mehr Schutz darunter finden konnte und den anderen Hunden wieder "ausgeliefert" war.

Sicherlich trägt meine Formulierung nun dazu dabei, das Ganze sehr vorbelastet zu sehen und ein anderer Beobachter würde sicher über dieses Ereignis schreiben können: "Es war alles so toll, so viele Hunde zusammen und es gab keinerlei Beißereien oder größere Konflikte" etc. pp. Hier ist aber eben sich die Frage, was man selbst möchte und von sich, seinem Hund und der Beziehung zwischen sich und seinem Hund erwartet.

Nun ist der Text schon wieder länger geworden als geplant, daher hier noch einmal kurz und stichpunktartig zusammengefasst, auf was ihr bei dem Besuch einer Hundefreilauffläche (oder auch generell bei anderen Hundekontakten beachten solltet):

+ Menschen achten auf ihre Hunde

+ Hunde sind ausgeglichen, wilde Rennspiele oder spielerische Rauferein finden nur vereinzelt statt und können jederzeit durch ein Rufen des Menschen oder durch entsprechende Signale eines beteiligten Spielpartners unterbrochen werden

+ Hunde können auch einfach nebeneinander entspannen, selbstständig schnüffeln gehen und stehen nicht permanent in direkter Interaktion mit anderen

+ Hunde orientieren sich an ihrem Menschen und sind nicht einfach nur froh "endlich von der Leine und von ihm wegzukommen"

+ Es werden gute Sozialkontakte ermöglicht, d.h. ruhige, langsame Annährungen, nicht zu viele Hunde auf einmal, sondern die Chance sich auch wirklich mit anderen auseinanderzusetzen und mit ihnen kommunizieren zu können

+ Kurze, gute Phasen mit ausreichend Pausen zwischen Spielen und weiteren Fremdkontakten

 

- Menschen haben keinen Blick für die Bedürfnisse und aktuelle Stimmungslage ihrer Hunde

- Menschen interessieren sich nicht für ihre Hunde, sondern beschäftigen sich lieber mit anderen Dingen

- Menschen sind grob zu ihren Hunden, werden laut mit ihren Hunden oder gar handgreiflich bspw. beim "Einfangen"

- Zu viele Hunde, zu aufgeladene Stimmung

- Hunde werden unkontrolliert auf jeden "Neuankömmling" losstürmen lassen

 

Sicherlich ließe sich dies noch weiter fortsetzen. Wenn Du Dir nun unsicher bist, ob der Besuch einer solchen Fläche etwas für Dich und Deinen Hund ist, schau bitte einfach ganz genau hin: Sind die Menschen dort verantwortungsbewusst und können ihren Hund entsprechend regulieren? Weißt Du, Deinen Hund richtig zu lesen und seine Stimmung einzuschätzen?

Da die meisten dieser Flächen öffentlich sind und man so keinerlei Möglichkeit hat Einfluss darauf zu nehmen, wer sie betritt und wer nicht, tendiere ich persönlich dazu, sie zu meiden. Es sei denn es ist niemand oder nur wenige Menschen da, mit denen es möglich ist, sich entsprechend abzusprechen bzw. einen Eindruck von ihnen zu bekommen. Selbst dann halte ich meine Besuchszeiten kurz (10-15 Minuten sind da schon viel, je nach Interaktionen).

Ansonsten bin ich ein Fan von gezielten, guten und entsprechend ausgewählten bzw. vereinbarten Begegnungen, bspw. im Rahmen der Hundeschule oder auch über private Verabredungen zum Gassi gehen. Sicher muss man hier immer wieder auch ganz individuell schauen, aber so habe ich einen sehr großen Teil für eine sehr innige und vertrauensvolle Beziehung zu meinen Hunden gestalten und aufbauen können.

 

Ich wünsche Deinem Hund, dass seine Bedürfnisse gesehen und respektiert werden, dass er, wenn nötig, Hilfestellung und faire Anleitung bekommt, ein gutes Sozialverhalten zu entwickeln. Und vorallem wünsche ich auch DIR, dass Deine Bedürfnisse deckungsgleich mit denen Deines Hundes sind, dass es Dir wichtig ist, im Sinne Deines Hundes zu handeln, ihm entsprechend Rückhalt oder auch klar kommunizierte Einschränkungen zu geben und durch ein nettes, faires, verständliches Vorgehen eine durch und durch vertrauensvolle Beziehung zu schaffen.

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